Motivation und Hintergrund:
Belastungsharninkontinenz (Stress Urinary Incontinence, SUI) stellt weltweit für Millionen von Menschen eine massive sozioökonomische und psychologische Belastung dar. Die gegenwärtige Versorgungsrealität zwingt Patienten oft zu einem Kompromiss: Entweder verbleiben sie in der palliativen Versorgung mit aufsaugenden Hilfsmitteln (z. B. TENA, MoliCare), oder sie unterziehen sich hochinvasiven und komplikationsbehafteten chirurgischen Eingriffen wie der Implantation künstlicher Sphinkter (z. B. AMS 800 von Boston Scientific) oder spannungsfreier Schlingen (z. B. Gynecare TVT von Ethicon).
UroPro, ein MedTech-Start-up-Vorhaben des Lehrstuhls FAPS, schließt diese Lücke. Wir entwickeln eine minimalinvasive, intraurethrale Sphinkterprothese (Medizinprodukt Klasse IIb nach MDR). Das Herzstück bildet ein mechanisch-mikrofluidischer Tiefpass-Filter, der rein mechanisch zwischen transienten Druckspitzen und gewollter Miktion unterscheidet. Das Ventilmodul sitzt in einem dauerhaft verbleibenden Stent und wird prophylaktisch einmal im Jahr ambulant ausgetauscht. Zur Evaluation der Tragfähigkeit der Geschäftsidee sind evidenzbasierte Daten zur Marktakzeptanz sowie ein überlegenes gesundheitsökonomisches Profil notwendig.
Ziel der Arbeit:
Ziel dieser Masterarbeit ist die ganzheitliche Evaluation der Marktchancen von UroPro aus Endanwender- und Kostenträgerperspektive. Durch ein methodisch fundiertes Discrete Choice Experiment (DCE) wird die Zahlungs- und Nutzungsbereitschaft der Patienten quantifiziert. Die daraus abgeleiteten Marktdurchdringungsszenarien dienen als Basis für eine vergleichende Budget-Impact-Analyse (BIA). Die Ergebnisse synthetisieren eine Value-based Pricing-Strategie für die Erstattungspfade in der DACH-Region (Fokus auf GKV/NUB) und den USA (FDA De-Novo/CMS).
Konkrete Arbeitsinhalte:
- Grundlagenrecherche und methodische Konzeption
- Systematische Literaturrecherche zu den regulatorischen Rahmenbedingungen für Klasse-IIb-Implantate (MDR EU 2017/745, ISO 13485, ISO 14155) sowie den Anforderungen der US-amerikanischen FDA (De-Novo Pathway).
- Methodische Aufarbeitung der Best Practices zur Konzeption von Discrete Choice Experiments (DCE) im Gesundheitswesen zur Messung von Patientenpräferenzen.
- Analyse der methodischen Richtlinien zur Erstellung von Budget-Impact-Analysen im Kontext von Kostenträgern.
- Datenerhebung: Quantifizierung der Patientenpräferenzen
- Identifikation und Definition entscheidungsrelevanter Attribute für SUI-Patienten in Abgrenzung zum Wettbewerb.
- Design und Operationalisierung des DCE-Fragebogens.
- Durchführung der Datenerhebung an einer signifikanten Kohorte, differenziert nach Indikationen.
- Statistische Analyse und Gesundheitsökonomische Modellierung
- Ökonometrische und statistische Auswertung der DCE-Daten zur Ermittlung der relativen Wichtigkeit der Produktmerkmale und zur Simulation potenzieller Marktanteile.
- Entwicklung eines Budget-Impact-Modells: Gegenüberstellung der direkten und indirekten Kosten des Status quo mit UroPro.
- Ableitung der Marktzugangsstrategie
- Entwicklung eines Value-based Pricing-Modells basierend auf der berechneten Kostenträger-Entlastung.
- Gegenüberstellung und strategische Bewertung der Erstattungspfade: Selbstzahlermarkt (IGeL/PKV) und NUB-Verfahren (GKV) in Deutschland im Vergleich zum CMS-Erstattungssystem in den USA.
- Wissenschaftliche Dokumentation
- Strukturierte Verschriftlichung der Erkenntnisse mit klarem Fokus auf Lesbarkeit, Logik und Präzision, nach den Prinzipien wissenschaftlichen Schreibens.
- Transparente Dokumentation aller methodischen Limitationen, statistischen Unsicherheiten und Annahmen im ökonomischen Modell.
Weitere Informationen:
Bewerbung per E-Mail mit Lebenslauf und Notenübersicht an alexander.preis@faps.fau.de
